Cortisol Cocktail

Der „Cortisol Cocktail“ ist ein alkoholfreies Getränk, das über soziale Netzwerke bekannt wurde. Meist besteht er aus Orangensaft, Kokoswasser, einer Prise Salz und manchmal etwas Magnesium. Das Versprechen dahinter: Er soll den Cortisolspiegel senken und Stress abbauen.

Die Zutaten sind unbedenklich und liefern Flüssigkeit, etwas Vitamin C und einige Mineralstoffe. Gegen ein solches Getränk spricht wenig, solange man es verträgt.

Belege dafür, dass dieser Cocktail den Cortisolspiegel messbar beeinflusst, gibt es bislang nicht. Cortisol folgt einem eigenen Tagesrhythmus und reagiert vor allem auf Schlaf, Belastung und Bewegung, weniger auf ein einzelnes Getränk. Wer sich nach dem Trinken ruhiger fühlt, erlebt das eher als angenehme Pause im Alltag denn als hormonelle Wirkung.

Dahinter steht meist ein bestimmter Gedanke: Die Nebennieren seien vom Dauerstress erschöpft und müssten wieder aufgefüllt werden. Diese Vorstellung hält der Prüfung nicht stand. Eine systematische Durchsicht der Fachliteratur sichtete 3.470 Veröffentlichungen und wertete davon 58 Studien aus. Ihr Ergebnis fiel eindeutig aus: Eine Nebennierenerschöpfung als eigenes Krankheitsbild gibt es nicht. Fällt aber die Begründung weg, bleibt vom Versprechen wenig übrig.

Ein praktischer Hinweis noch. Orangensaft und Kokoswasser enthalten reichlich Kalium. Für die meisten Menschen ist das unproblematisch. Wer eine Nierenerkrankung hat oder zur Dialyse geht, sollte solche Getränke aber mit der behandelnden Praxis besprechen.

Als kleines Ritual am Nachmittag ist der Cortisol Cocktail durchaus in Ordnung. Als Mittel gegen echten, anhaltenden Stress sollte man ihn nicht verstehen.

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Mehr dazu: Cortisol

Quellen

Studien am Menschen zu diesem Begriff: 0
Die Quelle unten beschreibt den Cortisol-Tagesrhythmus, nicht das Getränk. Zum Getränk selbst wurde nichts gemessen.

Eine Studie misst viele Menschen und hält am Ende einen Mittelwert fest. Der beschreibt eine Gruppe – nicht dich, der du gerade nach einer Antwort für dein Leben suchst. Was für tausend Menschen im Schnitt stimmt, muss für den einen am Küchentisch noch nicht stimmen. Darum steht hinter jeder Quelle, wie belastbar sie ist und an wem sie erhoben wurde. Was davon zu dir passt, entscheidest am Ende du – oder die Fachperson, die dich behandelt und deinen Fall kennt.

Lightman et al. (2020): Dynamics of ACTH and Cortisol Secretion and Implications for Disease. Endocrine Reviews. DOI ansehen★☆☆☆ Übersicht ohne eigene Messung
Reichweite: Stark auf Nagetierdaten gestützt, misst selbst nichts.

Cadegiani & Kater (2016): Adrenal fatigue does not exist: a systematic review. BMC Endocrine Disorders. DOI ansehen★★★★ Systematische Durchsicht vieler Studien
Reichweite: 3.470 Arbeiten gesichtet, 58 Studien ausgewertet.

Recherchiert über PubMed. Stand: 13. Juli 2026.