Bauchfett ab 40: welche Rolle Hormone und Stress spielen
Sechsundsechzig Komma drei. Auf die Nachkommastelle genau. Seit einem halben Jahrzehnt stellt sich meine Freundin jeden Morgen vor dem Frühstück auf die Waage – und seit einem halben Jahrzehnt blinkt ihr dort stur dieselbe Zahl entgegen. Und trotzdem schneidet abends diese verflixte Jeans ins Fleisch und hinterlässt über dem Bauchnabel einen roten Abdruck, der früher definitiv nicht da war.
Kennst du das auch? Als sie mir im Sommer davon erzählte, schwankte ihre Stimme irgendwo zwischen Belustigung und Verzweiflung: Ihre Ernährung? Unverändert. Ihr Bewegungspensum? Wie gehabt. Aber ihr Bauchfett? Das hat sich offenbar klammheimlich aus dem Staub gemacht und woanders eine neue Bleibe gesucht. Dreist, oder?
Wenn Frauen in unserem Alter mir von solchen Momenten berichten, folgt fast immer dieser eine Satz, der mehr geflüstert als gesprochen wird: „Ich habe mich wohl gehen lassen.“ Aber ich sage dir: Vergiss diesen Gedanken ganz schnell wieder. Denn was sich da so hartnäckig in deiner Mitte festsetzt, ist mitnichten das harmlose Unterhautfettgewebe, das du mal eben so zwischen Daumen und Zeigefinger packen könntest.
Nein, hier haben wir es mit einem ganz anderen Kaliber zu tun: dem viszeralen Fett, das sich frech zwischen deinen Organen breitmacht. Und dieses Fett? Das schläft definitiv nicht den Schlaf der Gerechten. Stattdessen schüttet es munter Botenstoffe aus, redet im Stoffwechsel ein gewichtiges Wörtchen mit und hört dabei auf ganz andere Signale als die, die du auf dem Schirm hast.
Wie genau dich dieses Viszeralfett an der Nase herumführt und warum ausgerechnet Stress sein bester Kumpel ist, dem gehen wir in diesem Artikel auf den Grund. Und ich verrate dir jetzt schon: Die üblichen Verdächtigen wie Crash-Diäten und Bauchmuskel-Marathons werden hier kläglich versagen. Denn sie sind Teil des Problems, nicht der Lösung. Wenn du wirklich etwas bewegen willst, brauchst du einen neuen Ansatz – und der hat weniger mit Disziplin zu tun als mit Klugheit und Achtsamkeit. Neugierig geworden? Dann lass uns gemeinsam ergründen, wie du diesem ungebetenen Untermieter die Stirn bieten kannst, ohne dich in aussichtslose Kämpfe zu stürzen!
Das Wichtigste in Kürze
①Nicht das Alter. Die Hormonlage verschiebt dein Fett in die Mitte. Gemessen an 156 Frauen über vier Jahre.
②Die Diät ist der Stress. Ein strenges Defizit treibt dein Cortisol nach oben, schon das bloße Kalorienzählen.
③Zwei Hebel, ein Fehler. Härter trainieren und Kohlenhydrate streichen erhöhen beide deine Last.
④Heißhunger meldet etwas. Meist zu wenig Schlaf. Mit Willensschwäche hat er nichts zu tun.
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Warum sich dein Bauchfett ab vierzig verlagert
Eine Studie begleitete 156 Frauen über vier Jahre und förderte Erstaunliches zutage: Das Unterhautfett nahm bei allen zu – so weit, so erwartbar. Aber jetzt kommt’s: Das fiese viszerale Fett trieb nur bei denjenigen Damen sein Unwesen, die in dieser Zeit die Wechseljahre durchliefen. Bei ihnen sammelte sich der Bauchspeck unaufhaltsam an, während gleichzeitig die Fettverbrennung in Ruhephasen um satte 32 Prozent einbrach (Lovejoy et al. 2008). Klingt fast nach einem schlechten Scherz, ist aber leider bittere Realität.
Nicht das Alter an sich ist hier der Puppenspieler, sondern allen voran die Hormone.
Und was mich daran besonders verblüfft hat: Nicht das Alter an sich ist hier der Puppenspieler, sondern allen voran die Hormone. Eine zweite Untersuchung an 94 Frauen im gleichen Lebensabschnitt zeigte, dass das innere Bauchfett praktisch synchron zum sinkenden Östrogenspiegel um 15 Prozent zunahm (Marlatt et al. 2020). Das ist der Teil, der in keinem Ratgeber fehlen darf – und zugegebenermaßen hat er seine Daseinsberechtigung. Aber eben nicht exklusiv.
Was dein Insulin damit zu tun hat
Denn zur gleichen Zeit passiert noch etwas anderes, das oft unter den Tisch fällt: Deine Zellen werden zunehmend schwerhörig, wenn Insulin den Taktstock schwingt. Und Insulin, meine Liebe, ist nichts anderes als der oberste Dirigent in deinem Körper. Es entscheidet, ob Energie eingelagert oder freigesetzt wird. Wenn deine Zellen nun also auf Durchzug schalten, braucht dein Körper plötzlich mehr von dem Zeug, um dieselbe Portion Pasta zu verarbeiten – auch wenn auf deinem Teller kein Krümel mehr liegt als früher.
Und was bringt deine Zellen dazu, auf Tauchstation zu gehen? Stress, Stress und nochmals Stress. Zu wenig Schlaf, ein übervoller Terminkalender, die Extraportion Ehrgeiz im Gym, die Sorgen, die dich nachts wachhalten – all das sind Störfaktoren, die deine biochemische Balance ins Wanken bringen. Doch während deine Waage davon oft wenig mitbekommt, schrillen bei deiner Lieblingsjeans alle Alarmglocken. Denn sie spürt jedes Gramm, das sich rund um deine Körpermitte zusammenrottet – gnadenlos und hautnah.

Warum die alten Diät-Klassiker ins Leere laufen
Wenn die Waage einfach nicht das zeigt, was du dir erhoffst, greifst du zu zwei altbekannten Stellschrauben: noch härter trainieren und Kohlenhydrate streichen. Klingt vernünftig, ist es aber nicht. Denn in Wahrheit bedienen diese Hebel denselben Mechanismus – und der führt dich geradewegs in die Sackgasse.
Das zeigte mir eine Untersuchung, bei der 121 Frauen drei Wochen lang nur 1200 Kalorien am Tag aßen. Was passierte? Ihr Cortisol-Spiegel stieg messbar an. Und jetzt Achtung: Allein das Mitzählen der Kalorien, ganz ohne Verzicht, reichte schon aus, um den Stresspegel zu erhöhen (Tomiyama et al. 2010). Dieser Satz hat es in sich, lies ihn ruhig zweimal. Die Diät, die doch eigentlich Abhilfe schaffen soll, erweist sich selbst als handfester Stressfaktor.
| Was untersucht wurde | Was dabei herauskam | Wer |
|---|---|---|
| 3 Wochen mit 1200 Kalorien am Tag | Cortisol steigt messbar | 121 Frauen |
| Kalorien nur zählen, normal essen | Stressempfinden steigt | 121 Frauen |
| Der Weg in die Wechseljahre | inneres Bauchfett wächst, Fettverbrennung 32 Prozent weniger | 156 Frauen, 4 Jahre |
| 2 Wochen mit je 4 Stunden Schlaf | mehr gegessen, mehr Bauchfett, Verbrauch gleich | 12 Menschen |
| 12 Wochen Krafttraining | inneres Bauchfett 18,6 Prozent weniger | 16 Frauen |
Und mit dem „Mehr Training“-Ansatz verhält es sich genauso. Knallhartes Workout ohne Erholung treibt die Anspannung in die Höhe. Streichst du dann auch noch die Kohlenhydrate, nimmst du deinem Körper genau die Nährstoffe weg, die er zum Runterkommen bräuchte. Siehst du, worauf das hinausläuft? Dein eiserner Wille wird zum Sargnagel für den Diäterfolg. Je verbissener du die Sache anpackst, desto rascher scheiterst du.
Meine Freundin kann ein Lied davon singen: Drei Wochen lang verbannte sie abends alles Stärkehaltige vom Teller und quälte sich zweimal pro Woche zum Joggen. Und das Ergebnis? Ernüchternd. Die Waage zeigte keinen Deut weniger an als zuvor. Dabei hatte sie alles gegeben und nichts falsch gemacht – ihr einziger Fehler war, zweimal auf dieselbe Leier hereinzufallen, die ihr Körper beim besten Willen nicht hören wollte.
Was im Bauchfett passiert, wenn der Kopf nicht abschalten kann
Für die Vorgänge am Bauch unter Stress gibt es ein einprägsames Bild, das von einem Schweizer Trainer stammt. Ich gebe es als das weiter, was es ist: eine Erklärung, keine exakte Rechnung.
Deine Fettzellen haben kleine Schlösser an ihrer Oberfläche. Kommt nun Adrenalin vorbei, steckt es den Schlüssel hinein und sagt knapp: Aufmachen, Fett raus. Bei Dauerstress baut dein Körper am Bauch immer weniger dieser Schlösser ein. Irgendwann passt der Schlüssel zwar noch, findet aber kein Schloss mehr vor.
Dieser Gedanke tröstet mich, weil er deinen Bauch vom Angeklagten zum Kronzeugen macht. Er zeigt nur eine Entscheidung deines Körpers an – die, die Reserven zu halten, solange die Lage unsicher scheint. Und zwar dort, wo er sie am schnellsten anzapfen kann.
Dass die Richtung stimmt, zeigt eine andere Untersuchung: Von 49 Erwachsenen auf Diät bekam die Hälfte zusätzlich ein Stressbewältigungsprogramm. Nach acht Wochen hatte diese Gruppe weniger Cortisol und weniger Rumpffett als die anderen (Simos et al. 2019).
Warum Heißhunger kein Zeichen von Willensschwäche ist
Abends um halb zehn öffnest du die Schublade mit der Schokolade. Ich wette, du weißt ganz genau, wovon ich rede. Der Standardreflex: widerstehen. Der Hunger ist der Feind, und wer nachgibt, hat verloren.
Ich sehe das inzwischen anders: Dein Heißhunger ist kein Charakterfehler, sondern ein Hilferuf deines Körpers. Er signalisiert dir, dass er gerade mehr stemmen muss, als er verkraften kann – und nach dem schnellsten Weg sucht, um runterzukommen. Wer dieses Signal einfach wegdiszipliniert, übertüncht nur das Symptom, ohne die Ursache anzugehen.
Wie stark das mit deinem Schlaf zusammenhängt, hat mich erstaunt: Eine Studie ließ 12 gesunde Menschen zwei Wochen lang mit nur vier Stunden Schlaf auskommen. Obwohl ihr Verbrauch gleichblieb, aßen sie danach von sich aus mehr – und legten ausgerechnet am Bauch zu, innen wie außen (Covassin et al. 2022).
Ein Selbstversuch, der dich keinen Cent kostet: Notiere eine Woche lang jeden Abend, wie viel du in der Nacht zuvor geschlafen hast und ob dich die Lust auf Süßes gepackt hat. Meine Freundin hatte nach fünf Tagen Klarheit: Nach sechs Stunden Schlaf kam der Heißhunger zuverlässig, nach acht Stunden blieb er aus.

Machen deine Kinder es dir vor?
Sieh dir mal an, wie du mit deinen Kindern umgehst – da machst du längst alles richtig, ohne groß darüber nachzudenken.
Wenn dein Kleines nachts ruft, unterstellst du ihm doch nicht mangelnde Disziplin, oder? Nein, du fragst dich, was die Botschaft hinter dem Verhalten ist. Zimmer zu warm, zu viel Action am Abend, Stress im Kindergarten? Und noch etwas machst du ganz automatisch: Du schaltest dich abends ein, nicht erst mitten in der Nacht. Denn um 2 Uhr morgens lässt sich wenig ausrichten – aber in der Stunde vor dem Zubettgehen kannst du noch eine Menge bewirken.
Bei dir selbst drehst du die Logik genau andersrum. Du stempelst die Signale deines Körpers als Schwäche ab und bekämpfst stur das Symptom – indem du den Bauch ins Visier nimmst, statt die Ursachen anzugehen.
Wenn deine 13-jährige Tochter abends einfach nicht müde wird, machst du ihr doch auch keine Vorwürfe, stimmt’s? Du weißt, dass ihre innere Uhr in der Pubertät verrücktspielen kann – das ist völlig normal und geht vorbei. Dieselbe Nachsicht hast du auch deinem eigenen Körper gegenüber verdient.
Und ist dir das schon mal aufgefallen? Nach einer kurzen Nacht verlangt dein Kind am nächsten Abend zuverlässiger nach Süßem als sonst. Genau derselbe Mechanismus läuft bei dir ab, wenn du spätabends Heißhunger auf Schokolade bekommst. Bei deinem Kind käme dir nie in den Sinn, daraus einen Charakterfehler zu konstruieren – du würdest einfach dafür sorgen, dass es früher ins Bett kommt. Und wenn sich Gewicht, Appetit oder Schlafverhalten deines Kindes über einen längeren Zeitraum merklich verändern, führt der erste Weg ohnehin zur Kinderärztin.
Fünf Stellschrauben für dein Bauchfett
Und was heißt das jetzt für dich, an einem ganz normalen Dienstagabend? Ganz einfach: Stress first, Essen second. Wenn du seit Wochen mit dem Kopf gegen die Wand rennst, leg eine ein- bis zweiwöchige Trainingspause ein und steigere dich danach langsam wieder. Ich weiß, das fühlt sich erst mal widersinnig an. Aber vertrau mir und probier es einfach aus – du wirst staunen, wie viel besser deine Hose danach sitzt.
Apropos Essen: Kohlenhydrate clever verteilen statt rigoros streichen, das ist der Schlüssel zu einem ausgeglichenen Stoffwechsel. Regelmäßige, moderate Portionen über den Tag verteilt wirken wahre Wunder – viel effektiver als abendliche Hardcore-Verzichtsübungen. Gönn dir zu jeder Mahlzeit eine Handvoll Kohlenhydrate, das ist schon mal ein guter Start.

Und auch ein gezielter Muskelaufbau zahlt sich aus. Zwei kurze, knackige Einheiten pro Woche à 20 Minuten reichen völlig aus. Eine Studie mit Frauen kurz nach den Wechseljahren hat gezeigt, dass schon nach zwölf Wochen konsequentem Krafttraining das innere Bauchfett um satte 18,6 Prozent geschmolzen ist (Dam et al. 2021)! Und nein, dabei geht es nicht ums stupide Kalorienzählen – ein Kilo Muskelmasse verbraucht täglich gerade mal 13 Kalorien extra (Wang et al. 2010). Wie deine Muskeln sich stattdessen den Zucker direkt aus dem Blut angeln, verrate ich dir ausführlich in meinem Beitrag zum Muskelaufbau ab 40.
Noch ein Tipp: Wirf deine Waage für einen Monat in den Keller – oder auf den Dachboden, ganz wie du magst. Greif stattdessen einmal im Monat zum Maßband und miss deinen Bauchumfang auf Höhe des Nabels. Denn für viele Frauen entwickelt sich die tägliche Konfrontation mit den unbarmherzigen Zahlen zum reinsten Stressfaktor.
Und last but not least: Licht aus vor Mitternacht, wenigstens an vier Tagen die Woche. Ich weiß, wie abgedroschen das klingt. Aber glaub mir, an diesem Punkt ist ausreichend Schlaf der mit Abstand wirksamste Hebel, den du in Bewegung setzen kannst.
Mir ist eine ehrliche Einordnung wichtig
Kommen wir zum Eingemachten: Was von alledem ist wissenschaftlich wasserdicht? Nun, dass die Hormone bei der Fettverteilung die Fäden ziehen, steht außer Frage. Auch, dass eine knallharte Diät den Cortisol-Spiegel in die Höhe treibt und gezieltes Krafttraining dem viszeralen Fett an den Kragen geht, ist durch Studien belegt. Das Bild mit den Schlössern dagegen stammt aus der Trickkiste eines findigen Trainers. Eine plausible Erklärung, wie ich finde – und gerade weil sie noch Spielraum lässt, umso spannender für alle Hobby-Detektive da draußen.
Aber Hand aufs Herz, auch zwei Fragezeichen will ich nicht unter den Tisch fallen lassen: Die Studie zum Schlafentzug hatte gerade mal 12 Teilnehmer, und davon waren die meisten Männer. Und bei der Krafttraining-Gruppe waren zwar alle weiblich, aber dafür nur 16 an der Zahl. Klar, die Tendenz ist eindeutig – aber als schlagenden Beweis würde ich dir das trotzdem nicht andrehen wollen.
Was hingegen mit Pauken und Trompeten bewiesen ist: Das Prinzip vom „Ich ess‘ einen Apfel und nehme gezielt am Bauchnabel ab“ kannst du getrost in die Tonne klopfen. Wer seinen Fortschritt mit der Hautfalten-Methode misst, der wiegt in Wahrheit Fett und Wasser in einem Aufwasch – denn eine Falte macht da keinen Unterschied.
Und noch eins: Die Zahlen, die ich dir hier um die Ohren gehauen habe, beziehen sich auf Durchschnittswerte von Gruppen. Natürlich gibt es auch Frauen, bei denen eine knallharte Diät perfekt funktioniert – wenn du dazugehörst, dann bleib auf jeden Fall dabei. Wenn sich aber innerhalb kurzer Zeit ungewöhnlich viel Hüftgold ansammelt oder andere Beschwerden dazukommen, dann nichts wie ab zum Arzt.
Seit ich das Bauchfett in den Wechseljahren als eine Art Notfallreaktion des Körpers begreife, kann ich viel gelassener damit umgehen. Und meiner Freundin geht es genauso. Ihre erste Amtshandlung war es, die Waage in den Keller zu verbannen.
Wenn der Stress an deiner Mitte mitschreibt
Hol dir „Die 5-Minuten-Soforthilfe fürs Nervensystem“ und du hast eine ruhige Übung an der Hand, die deinen Körper am Abend wieder herunterfährt.
Häufige Fragen zu Bauchfett und Hormonen ab 40
Warum bekomme ich ab 40 Bauchfett, obwohl ich nichts geändert habe?
Weil sich deine Hormonlage verschiebt und nicht dein Verhalten. Eine Untersuchung an 156 Frauen über 4 Jahre hat gezeigt, dass das innere Bauchfett nur bei denen zunahm, die in dieser Zeit in die Wechseljahre kamen. Bei ihnen sank gleichzeitig die Fettverbrennung im Ruhezustand um 32 Prozent. Deine Waage kann dabei dieselbe Zahl zeigen wie immer, weil dein Körper seine Vorräte nur umschichtet.
Welche Hormone stecken hinter dem Bauchfett?
Vor allem das sinkende Östrogen verändert, wo dein Körper Fett ablegt. Dazu kommen dein Cortisol, das unter Dauerbelastung steigt, und ein unruhiger Blutzucker. In einer Studie an 359 Frauen zwischen 42 und 60 sagte übrigens das verfügbare Testosteron das innere Bauchfett besser vorher als das Östradiol. Meist wirken mehrere dieser Taktgeber zusammen.
Hilft eine strenge Diät gegen das Bauchfett ab 40?
Bei vielen Frauen wirkt sie in die Gegenrichtung. In einer Untersuchung an 121 Frauen stieg das Stresshormon Cortisol messbar an, sobald sie 3 Wochen lang 1200 Kalorien am Tag aßen. Allein das Mitzählen der Kalorien erhöhte das Stressempfinden, ganz ohne weniger zu essen. Wirksamer sind Krafttraining, regelmäßige maßvolle Kohlenhydrate, guter Schlaf und echte Pausen.
Kann ich gezielt am Bauch abnehmen?
Nein, gezielt an einer einzelnen Stelle abzunehmen funktioniert nicht. Dein Körper entscheidet selbst, aus welchem Lager er Energie holt. Bauchübungen kräftigen die Muskeln darunter, sie räumen aber das innere Fett nicht ab. Kommt hinzu: Wer mit der Hautfalte misst, misst Fett und Wasser zusammen, weil eine Falte beides nicht auseinanderhalten kann.
Wie viel Krafttraining brauche ich dafür?
2 kurze Einheiten pro Woche zu je 20 Minuten sind ein tragfähiger Anfang, auch mit dem eigenen Körpergewicht. In einer Studie an Frauen kurz nach den Wechseljahren sank das innere Bauchfett nach 12 Wochen betreutem Krafttraining um 18,6 Prozent. Die Gruppe war mit 16 Frauen klein, die Richtung deckt sich aber mit dem, was Muskeln im Zuckerstoffwechsel tun.
Was hat mein Schlaf mit meinem Bauch zu tun?
Mehr, als die meisten vermuten. 12 gesunde Menschen durften 2 Wochen lang nur 4 Stunden schlafen, und sie aßen daraufhin von selbst mehr, obwohl ihr Verbrauch gleich blieb. Zugelegt haben sie am Bauch, im Unterhautfett wie im inneren Fett. Die Gruppe war klein und überwiegend männlich, die Richtung passt trotzdem zu dem, was Frauen mir berichten.
Wann sollte ich das ärztlich abklären lassen?
Wenn sich in kurzer Zeit ungewöhnlich viel um deine Mitte sammelt, dein Gewicht stark schwankt oder andere Beschwerden dazukommen. Deine Ärztin kann klären, welche Rolle deine Hormone spielen und ob weitere Abklärung nötig ist. Das gilt auch, wenn du seit Monaten alles richtig machst und sich trotzdem nichts bewegt.
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Quellen
Eine Studie misst viele Menschen und hält am Ende einen Mittelwert fest. Der beschreibt eine Gruppe – nicht dich, der du gerade nach einer Antwort für dein Leben suchst. Was für tausend Menschen im Schnitt stimmt, muss für den einen am Küchentisch noch nicht stimmen. Darum steht hinter jeder Quelle, wie belastbar sie ist und an wem sie erhoben wurde. Was davon zu dir passt, entscheidest am Ende du – oder die Fachperson, die dich behandelt und deinen Fall kennt.
Tomiyama et al. (2010): Low calorie dieting increases cortisol. Psychosom Med. DOI ansehen★★★☆ Kontrolliert getestet
Reichweite: 121 Frauen, drei Wochen, 1.200 Kilokalorien am Tag.
Lovejoy et al. (2008): Increased visceral fat and decreased energy expenditure during the menopausal transition. Int J Obes. DOI ansehen★★★☆ Laengsmessung ueber vier Jahre
Reichweite: 156 Frauen, jaehrlich vermessen. Inneres Bauchfett per Computertomographie, Verbrauch im Ganzraum-Kalorimeter.
Marlatt et al. (2020): Body composition and cardiometabolic risk during the menopause transition. Am J Obstet Gynecol. DOI ansehen★★★☆ Laengsmessung durch die Wechseljahre
Reichweite: 94 Frauen ab 43, jaehrlich mit Bildgebung und Hormonwerten begleitet.
Janssen et al. (2010): Testosterone and visceral fat in midlife women. Obesity. DOI ansehen★★☆☆ Bevoelkerungsstichprobe zu einem Zeitpunkt
Reichweite: 359 Frauen zwischen 42 und 60. Zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.
Covassin et al. (2022): Effects of experimental sleep restriction on energy intake, energy expenditure, and visceral obesity. J Am Coll Cardiol. DOI ansehen★★☆☆ Versuch mit Kontrolle im Wechsel
Reichweite: Nur 12 Menschen, davon 9 Maenner, 21 Tage stationaer bei freiem Zugang zum Essen.
Dam et al. (2021): Estrogen modulates metabolic risk profile after resistance training in early postmenopausal women. Menopause. DOI ansehen★★☆☆ Versuch mit Zufallszuteilung, doppelt verblindet
Reichweite: 31 Frauen kurz nach den Wechseljahren, 12 Wochen betreutes Krafttraining.
Simos et al. (2019): Pythagorean self-awareness intervention for body weight control. Eur J Clin Invest. DOI ansehen★★☆☆ Versuch mit Zufallszuteilung
Reichweite: 49 Erwachsene, acht Wochen, nicht verblindet, zehn Abbrueche in der Vergleichsgruppe.
Dieser Beitrag schildert eine persönliche Sichtweise und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn deine Beschwerden anhalten, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt deines Vertrauens.
Wenn dir dieser Beitrag gutgetan hat, gib ihn gern an eine Frau weiter, die sich über die neue Rundung in ihrer Mitte ärgert und den Grund dafür sucht.
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